Der Apfel

Jahr: 2008
Länge: ca. 100 Min.
Regie: Felix Pip Ehlert
Produktion: Leontin Beger & Patrick Schork
Kamera/Schnitt: Felix Pip Ehlert
Buch: Leontin Beger & Patrick Schork
Ton/Licht: Aljoscha Müller & Vincent Franz
Darsteller: Leontin Beger (Lokeach), Patrick Schork (Notén), Lenna Lunewski (Athene), Carolin Müller (Paris), Felix Pip Ehlert (Herma vom Straussee), Vincent Franz (Strichjunge), Monika Kehl (Strichmädchen), Aljoscha Müller (Jesus)

Inhalt:
Lokeach, ein schizophrener Massenmörder und Leichenschänder, der die Frau als Reinkarnation der Sünde betrachtet, versucht sich zu verstehen. Seine Schizophrenie offenbart sich in den Charakteren von Athene und Notén, die Entge- gengesetztes von ihm verlangen vor allem im Bezug auf seine sexuellen Rituale. Seine Frage, ob er sich seinem Fetisch vor Gott hingeben darf, stürzt ihn in Hilflosigkeit, die ihn zur Geißel treibt. Auf seiner Suche nach Antwort dringt er in die Vielfalt der Weiblich- keit ein. Dann verliebt er sich in Athene…
Diesen Leidensweg schildert Der Apfel in hypnotischer Art und Weise, indem er den Zuschauer in die verzerrte Wirklichkeit des Mörders mitnimmt und ihn die Qualen des tragischen Protagonisten aus nächster Nähe miterleben lässt. Die Bildsprache von Der Apfel wankt dabei zwischen der kranken Psyche eines Mörders und der andächtigen Kontemplation eines transzendental-verzückten Verliebten.
Insgesamt hält sich der Film dennoch stets nah am gleichnamigen Theaterstück, das aufbauend auf der Geschichte Heinrich Pommerenkes – eines Serienmörders im Deutschland der späten 1950er – geschrieben wurde und dabei tief in die Symbolismen antiker und biblischer Traditionen eindringt, immer wieder aber in der Rolle des Notén auch moderne Populärkultur aufgreift und – im Film besonders durch das Durchbrechen der 'vierten Wand' – das eigene Medium reflektiert.

Hintergrund:
Versuchung, Lust und Erkenntnis, das sind Assoziationen, die der Apfel seit seinem biblischen Erscheinen umfasst. Menschen benutzen wieder und wieder die Angst vor solch bedeutungsschweren Begriffen, vor allem die allseits herrschende Angst vor der Unfähigkeit, jene Begriffe zu verstehen, um ihre verrückten weltfernen Ansichten als rechtens, doch vor allem Dinge als richtig erscheinen zu lassen; aber der größte Hetzer und Betrüger bleiben wir selbst, in uns ist nie nur die Nächstenliebe verankert, sondern immer auch der Zerstörer, der, wenn wir nicht zu schaffen vermögen, erbost über das Scheitern alles kurz und klein, nichtig, zu schlagen begehren. Das Ich vor die Herausforderung zu stellen, sich selbst zu erkennen, ohne vor Schreck zurückzuweichen, bleibt angestrebt, doch die wirkliche Selbsterkenntnis verwehrt, was manch eine sensible Seele fängt und dahinrafft, da das Halbwissen ewige Unruhe hinterlässt: Unruhe, die sich zu Panik verformt, wenn niemand außer dem Selbst in ihr lebt, aber auch, wenn das Selbst nur glaubt, allein in dieser Unruhe zu vegetieren. So greift der Geist unseres Protagonisten in seiner Verzweifelung zum Schaffen der Projektion beider Extrema seiner Existenz und schenkt ihnen das Leben, ohne dem Bewusstsein diesen Schaffensprozess zu offenbaren, der ja die grundsätzliche Furcht, aus der die Unruhe keimt, zunichte machen würde, da er ja so Gott wäre - ein Schöpfer - und so nur sich selbst verpflichtet wäre, was den Zwiespalt zwischen Körperlichkeit und seinem Bewusstsein verschwinden lassen müsste. Eine so zerschundene Seele ist Hauptakteur dieser groteskkomischen Tragödie, wobei nie klar werden darf, ob es nicht doch wohl eher eine groteske tragische Komödie ist.
Gewünscht wird den Zuschauern großes Gelächter, kaltes Grauen, Mitgefühl und eine Katharsis durch keine Katharsis.


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